Erste deutsche amtliche Postflüge in Heidelberg und Mannheim am 19. Mai 1912

 

(hs) Am Donnerstag, dem 13. September 2012, ist das Sonderpostwertzeichen zum Tag der Briefmarke 2012 erschienen. Sein Motiv ist der erste amtliche Postflug in Deutschland. Die Literatur zu diesem Ereignis ist einigermaßen widersprüchlich. Zeitgenössische Quellen sind bisher kaum erschlossen worden. Der folgende Text ist also eine jeweilige Momentaufnahme im noch laufenden Forschungsprozess. Das Datum der letzten Anpassung ist am Ende des Textes zu finden.

 


Am Sonntag, dem 19.Mai 1912, veranstalteten die Ortsgruppe Mannheim des Deutschen Luftflotten-Vereins, der Mannheimer Verein für Luftschifffahrt „Zähringen“ und der Mannheimer Flugsportklub e.V. den „Mannheimer Flugtag“ verbunden mit einem Überlandflug von Mannheim nach Heidelberg. Die Mannheimer Veranstalter kooperierten mit der Ortsgruppe Heidelberg des Deutschen Luftflotten-Vereins, der in seiner Stadt, ebenfalls am 19. Mai 1912, einen Flugtag veranstaltete, der auch mit einem Überlandflug verbunden war, von Heidelberg nach Mannheim. Das Ereignis fand in Mannheim auf den Rennwiesen, einer Pferde-Rennbahn, statt und in Heidelberg auf dem Kleinen Exerzierplatz am Kirchheimer Weg.

 


Auf beiden Strecken wurde durch die Deutsche Reichspost Post befördert. Das war die erste amtliche Luftpostbeförderung in Deutschland. Die Kriterien für diese Charakterisierung: Die beförderte Post wurde über die Post eingeliefert, von der Reichspost mit einem besonderen, ereignisbezogenen Poststempel versehen und von auf den Flugplätzen eingerichteten Poststellen auf den Weg gebracht.

 

Aus diesem Anlass ist von den zusammenarbeitenden Verkehrsvereinen Mannheim und Heidelberg eine „Offizielle Luft-Post-Karte“ für 20 Pfg. verkauft worden, die nur dann mit der Luftpost befördert worden ist, wenn sie frankiert in Mannheim in der Stadt und in beiden Orten auf den Fluggeländen in besondere Briefkästen der Post eingeworfen worden war. Die so aufgegebene Karte wurde vor ihrem Abflug mit dem Sonderstempel „Flugpost Mannheim-Heidelberg 19.5.12 *2-3 N*“versehen, auch *3-4 N* kommt vor; der Flug von Heidelberg nach Mannheim mit entsprechendem Text und der Zeitangabe *3-4 N*, auch die Zeitangabe *6-7 N* ist belegt. Restbestände der Karten wurden nach dem Flugtag in einem Mannheimer Geschäft für 10 Pfg. angeboten. Andere Postsendungen als diese Karte sind bisher nicht bekannt.

 


Die Bildseite der Sonderkarte zeigt ein Flugzeug über der Landschaft mit Neckar sowie den Mannheimer Wasserturm (für Mannheim-Heidelberg) und das Heidelberger Schloss (für Heidelberg-Mannheim).

 


Die derzeit für das vor 100 Jahren stattgefundene Ereignis gewählte Bezeichnung "Erster amtlicher Postflug Mannheim-Heidelberg" beschreibt das, was tatsächlich am 19. Mai 1912 stattgefunden hat, nicht richtig.

 

Es wurden damals drei Überlandflüge mit Postbeförderung durchgeführt: zwei von Heidelberg nach Mannheim und einer von Mannheim nach Heidelberg.
Die beiden in Heidelberg gestarteten Flüge landeten früher in Mannheim als der dort gestartete Flug in Heidelberg.

 

Im Detail:

  • Heidelberg: Start der Rumpler-Taube mit dem Piloten Heinrich Lübbe in Heidelberg um 17:51 Uhr, Ankunft in Mannheim um 18:03 Uhr.
  • Heidelberg: Start des Jeannine-Eindeckers mit dem Piloten Karl Krieger in Heidelberg um 17:56, Ankunft in Mannheim 18:07 Uhr.
  • Mannheim: Start des Wright-Doppeldeckers mit dem Piloten Oskar Abramowitsch in Mannheim um 18:23, Ankunft in Heidelberg um 18:47 Uhr.  

Deshalb unser Vorschlag für die Bezeichnung des Ereignisses: "Erste deutsche amtliche Postflüge in Heidelberg und Mannheim am 19. Mai 1912". 

 

Alle beteiligten Piloten steuerten ihre Flugapparate nach der Übergabe der Post und nach kurzen Schauflügen wieder auf das Abflug-Gelände zurück.

 

Emil Jeannine war zwar auf dem Fluggelände in Heidelberg, den von ihm konstruierten Eindecker steuerte aber Karl Krieger. In Mannheim kam es zu einem Zwischenfall. Sidney Hall gelang es nicht, mit seinem Flugapparat, dem Sommer-Eindecker, in Mannheim abzuheben, eines defekten Kühlers wegen, wie eine Zeitung schrieb.

 

Auf beiden Fluggeländen hatte die Reichspost Poststellen eingerichtet. Die in Heidelberg, im Exerzierschuppen, war ab 14 Uhr geöffnet und in die Mannheim, im Verwaltungsgebäude der Rennbahn, ab 12 Uhr.

 

Es waren rund 35 000 Briefe und Karten zur Beförderung eingeliefert worden. Die Veranstalter hatten mitgeteilt, dass in Mannheim cirka 25 000 und in Heidelberg etwa 10 000 Sendungen aufgegeben worden seien. In einer von Stenger und Conde de Matzenau selbst als Versuch der Katalogisierung von Flugpost bezeichneten Veröffentlichung aus dem Jahre 1921 ist vermerkt, dass davon "nur 2 900 durch die Luft befördert werden (konnten)." Wie in Katalogen meist üblich: Erläuterungen oder Belege für diese Feststellung sind nicht veröffentlicht. 

 

Wahrscheinlich konnte der Wright-Doppeldecker, Alleinstarter in Mannheim, die große Zahl der dort eingelieferten Postsendungen nicht aufnehmen. Das belegen Berichte in zeitgenössischen Tagezeitungen und philatelistischen Zeitschriften. Dort heißt es, dass allein in Mannheim 25 000 Karten vorgelegen hätten, die freilich nur zu einem kleinen Teil mittels des Flugzeuges befördert hätten werden können, während der größere Teil zwar auch mit dem besonderen Flugpost-Stempel versehen, aber auf dem gewöhnlichen Wege - dem Landweg - befördert worden sei.

 

 

 


Quellen:   mehr http://www.briefmarken-forum.com/t2153-pionierflugpost

 mehr http://www.briefmarken-mannheim.de/Sammler-Echo/Flugpost/flugpost.html

mehr http://www.briefmarken-heidelberg.de/index.htm

In Heidelberg und Mannheim erschienene zeitgenössische Tageszeitungen.

Informationen der Stadtarchive in Heidelberg und Mannheim.

 

Letzte Änderung: 7. Oktober 2012

 

Zitierhinweis: Horst Schmollinger: Erster amtlicher Postflug in Deutschland: Heidelberg-Mannheim und Mannheim-Heidelberg,  mehr http://www.tag-der-briefmarke.org/index.php?id=59 , Stand: [Angabe des Datums der letzten Änderung]

 

Anmerkungen und Hinweise sind herzlich willkommen.

mehr info(at)tag-der-briefmarke.org

 

Sonderpostwertzeichen zum Tag der Briefmarke 2012

Entwurf: Annegret Ehmke, Eutin

Sonderflug-Beleg des BDPh von der Veranstaltung in Mannheim am 13. 9. 2012

Rumpler Taube 1912

Jeannin-Eindecker 1912

Wright Doppeldecker 1912

Sommer Eindecker 1912

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